Frage vom 01. April 2026
Eine neue Schulverwaltungssoftware der Firma CMI soll nach diversen Verzögerungen auf das neue Schuljahr hin in Betrieb genommen werden. Im Kanton Appenzell Innerrhoden ist das Modul «CMI Schule» seit dem 1. Januar 2025 in Betrieb, weist jedoch weiterhin Mängel auf, die im Alltag bei den Lehrpersonen zu einem erheblichen Mehraufwand geführt haben.
Zudem ist das Modul «CMI Unterricht Lernende Plus» als Nachfolgelösung zum «Lehreroffice» noch immer nicht verfügbar. Die Einführung wurde deshalb um ein weiteres Jahr auf das Schuljahr 2027/28 verschoben. Zusätzlich zeigen die Erfahrungen aus Appenzell Innerrhoden, dass neben den eigentlichen Softwarekosten auch Aufwendungen für Schnittstellen, Drittanbieter sowie projektbedingte Folgekosten angefallen sind. Dies hat zu Kostenerhöhungen, Projektverzögerungen und Auswirkungen auf die Budgetierung der Schulen geführt.
Daher folgende Fragen an die Regierung:
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Welche Softwarelösungen standen bei der Evaluierung einer Schulverwaltungssoftware zur Auswahl und welche Gründe waren für die Auswahl der CMI-Software ausschlaggebend?
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Welche erwarteten und unerwarteten – das heisst nicht budgetierten – Kosten sind seit dem Entscheid zur Beschaffung und Einführung der CMI-Schulverwaltungssoftware angefallen und werden voraussichtlich bis zur vollständigen Einführung und zum regulären Betrieb der Software noch anfallen?
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Welche Module sollen auf welchen Zeitpunkt an welchen Schulen eingeführt werden? Welche Tests oder Pilotversuche sind vorgesehen und welche offenen Punkte oder Risiken sind derzeit bekannt?
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Wie beurteilt die Regierung die Erfahrungen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden im Hinblick auf Restpendenzen, Terminverschiebungen, Schnittstellenprobleme, Drittkosten und Kostenabweichungen gegenüber früheren Planungen?
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Wie war das Feedback der Schulleiter im Anschluss an die Schulung vom 10. März 2026, und welche Forderungen wurden gestellt?
Antwort vom 02. April 2026
zu Frage 1:
Im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung gingen drei Angebote ein. Sämtliche drei Anbieterinnen erfüllten die formalen Voraussetzungen sowie die Eignungskriterien. Im weiteren Vergabeverfahren hat sich das Angebot von CMI wirtschaftlich als klar vorteilhaft erwiesen. Wesentliche Gründe hierfür waren der tiefste Angebotspreis, die beste ausgewiesene Leistungsfähigkeit und Funktionalität, die beste Abdeckung der technischen Anforderungen, der höchster Erfüllungsgrad der funktionalen Kriterien, die beste Bewertung der anbieterbezogenen Zuschlagskriterien sowie die beste Bewertung in Referenz und Präsentation.
zu Frage 2:
Bislang sind für das Projekt Kosten in der Höhe von CHF 617’782.60 angefallen. Das genehmigte Gesamtprojektbudget beläuft sich auf CHF 792’266.26. Aktuell wird davon ausgegangen, dass dieser Kostenrahmen für die Einführung eingehalten wird.
zu Frage 3:
Die Einführung erfolgt bewusst etappiert und entlang des fachlichen Reifegrads der einzelnen Bereiche. Bereits eingeführt ist mit Klapp eine Kommunikationslösung, die an den Schulen dort eingesetzt wird, wo dies fachlich und organisatorisch sinnvoll ist.
Im Bereich der Schuladministration ist vorgesehen, dass mit dem Schuljahreswechsel 2026/27 CMI Schule beziehungsweise das LiSA-Kernsystem eingeführt wird. Parallel dazu erfolgt die schrittweise Digitalisierung der Aktenführung im Schulbereich, insbesondere mit Lehrpersonen- und Lernendendossiers.
Für die Gemeindeschulen ist vorgesehen, das Modul Lernende+ auf den Schuljahresbeginn 2026/27 einzuführen.
Für die Sekundarstufe ist die Ausgangslage anspruchsvoller. Dort geht es nicht nur um die Einführung eines neuen Moduls, sondern um die Ablösung von LehrerOffice in einem Bereich mit erhöhten Anforderungen, namentlich bei Noten-, Promotions- und weiteren schulartspezifischen Prozessen. Aus diesem Grund wurden weitergehende Tests, Schulungen mit Key Usern und vertiefte Abnahmen vorgesehen und entschieden, die Ablösung von LehrerOffice nicht auf den Schuljahresbeginn 2026/27 vorzunehmen.
Weitergehende Module befinden sich in Prüfung oder Entwicklung. Dazu zählen je nach Fachbereich beispielsweise Funktionen im Umfeld Betreuung, Schulpsychologischer Dienst oder Schulsozialarbeit
Die technischen Risiken der Basislösung werden insgesamt als beherrschbar eingestuft. Grösser einzuschätzen sind demgegenüber die organisatorischen Risiken.
zu Frage 4:
Das Schulamt und das Amt für Informatik beziehen Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Kantone und Träger, soweit verfügbar, in die eigene Beurteilung mit ein. Gleichzeitig ist zu beachten, dass Vergleiche stets nur eingeschränkt möglich sind, da kantonale beziehungsweise nationale Rahmenbedingungen, Prozesse, Zeugnisregime, Zuständigkeiten und bestehende Systemlandschaften unterschiedlich sind.
zu Frage 5:
Die Schulungen und Rückmeldungen sind differenziert zu betrachten. Eine pauschale Gesamtbewertung über alle Schulstufen hinweg wäre zum jetzigen Zeitpunkt nicht sachgerecht.
Bei den Gemeindeschulen zeigen die bisherigen Rückmeldungen, dass die vorgestellten Funktionen grundsätzlich als Unterstützung für den Schulalltag wahrgenommen werden. Erste Rückmeldungen fielen positiv aus.
Anders stellt sich die Situation auf der Sekundarstufe dar. Dort hat die erste Schulung mit Key Usern vom 10. März 2026 gezeigt, dass zentrale Funktionalitäten und Übersichten noch nicht in einem Umfang vorliegen, der den Ansprüchen der Key Usern entsprechen. Das Feedback der Schulleitungen wird ernst genommen und fliesst direkt in die Projektsteuerung ein.